Internationales Netzwerk für Kunstgeschichte

13. Frühjahrsakademie

‚Sehen‘
Eichstätt, 11. bis 15 Mai 2015

Programm der Tagung (PDF)

Broschüre mit Abstracs (PDF)

Sehen – dies ist das Thema der XIII. Internationalen Frühjahrsakademie des Internationalen Netzwerks für Kunstgeschichte (Réseau international de formation en histoire de l'art; www.proartibus.net). Sie findet vom 11. bis zum 15. Mai 2015 in Eichstätt/Bayern statt.

Sehen wird dabei nicht als die passive Aufnahme der Außenwelt verstanden, die durch das Fenster unserer Augen in das Bewusstsein eintritt, oder als Vermittlung von Daten, die uns als bloßer Input gegeben wären.  Sehen geht über den Aspekt des Prozessualen und Zeitgebundenen hinaus. Es läuft nicht wie ein Automatismus ab, der durch die Sinnesdaten sozusagen nur ausgelöst würde. Vielmehr ist Sehen eine Tätigkeit, die durch Erziehung und kulturelle Praxen, Verfahren und Regelwerke, Medien und Dispositive geprägt und gebildet wird. Als Handlung soll das Sehen in seiner jeweiligen historischen Bedingtheit in den Blick genommen werden.

Anhand von Bildern und Kunstwerken hat man lange über die Aktivität der Aisthesis nachgesonnen – über die Erkenntnis und die Intelligenz, die der visuellen Wahrnehmung eingeschrieben ist. Der Akzent dieser Frühjahrsakademie wird nicht einmal mehr auf dem Bild liegen. Die Frage "Was ist ein Bild?" wird vielmehr ausgeklammert, jedenfalls insofern, als damit zur Suche nach ontologisch oder anthropologisch verallgemeinernden Antworten aufgefordert wird. Skeptisch gegenüber metahistorischen Definitionen des Bildes als solchem, werden wir uns in die Mitte der visuellen Aktivität platzieren, und die Praktiken, an denen sie teilhat, gemäß ihren impliziten Spielregeln betrachten. Niemand hat jemals ein Sinnesdatum gesehen, niemand die Welt im Singular. Wenn auf dieser Frühjahrsakademie allgemeine Termini wie die Form, das Sujet, die Welt, das Sehen, das Bild verwendet werden, so mit dem Ziel, ihren Stellenwert im Rahmen historischer Praxen und Diskurse auszuloten.

Wie hat man das Sehen aufgefasst? Wie wurden visuelle Fähigkeiten geschult? In welchen Verfahren und Diskursen waren sie eingeschrieben? In welchen Dispositiven wurden sie sedimentiert? Zeichnen oder Malen zu lernen bedeutet – und bedeutete – stets auch, die Beobachtungsgabe zu schärfen, sie zuzurichten. Die Methoden des Unterrichts der schönen Künste – von der Anatomie zur Historienmalerei, von der Perspektive zur Landschaft – sind daher ein möglicher Gegenstand, sofern sie mit Blick auf die Erziehung des Sehens untersucht werden. Diskussionsgegenstand ist jedoch auch die Meta-Poetik des Sehens, also das Sehen, das in der Kunst selbst theoretisch erschlossen wird – von den Bildern in Bildern zu Nachbildern, vom Trompe-l'œil zu visuellen Demonstrationen der Mimesis in den jeweils unterschiedlichen Kunstgattungen und Medien. Einige herausragende Begriffe – und einige nicht weniger mächtige Metaphern – stehen im Zentrum bestimmter historischer Diskurse über das Sehen. Imagination und Phantasie, Konzepte wie Klarheit und Evidenz, Empfindung und Wahrnehmung, Kreation und Fiktion sind Schlüsselbegriffe, mit denen man über Jahrhunderte hinweg die Debatte über unterschiedliche Verfahren der sinnlichen Erkenntnis neu orientiert hat.
Metaphern wie die Evidenz, die Stimmung (in anderen Sprachen als „atmosphère“ oder „mood“ übersetzt), die Synästhesie und die Korrespondenzen sind jüngeren Datums. Schatten und Spiegelbilder spielten bei der Erziehung des Blicks stets eine Rolle; doch weder die einen noch die anderen können sich von ihrer Gefangenschaft im Bild befreien und ein eigenes Leben führen. Als Doppelgänger, Vampire und Avatare tragen sie die Reflexion über das Sehen jedoch in die Bilderzählung selbst hinein. Die Kunst in ihrem Verhältnis zur philosophischen und wissenschaftlichen Optik wird ein interessantes Thema sein. Die Wissensgeschichte und die historische Epistemologie vermitteln neue Einsichten zu Einsicht und Blindheit, Aufmerksamkeit und visuellem Gedächtnis. Vielversprechend sind auch Untersuchungen zur Geschichte der Physiologie der Sinnesorgane und der Hirnforschung – oder der optischen Geräten und der Maschinen zur Supplementierung des Sehens und der Projektion. Über die Verfahren und Strategien der Aisthesis werden Philosophen, Wissenschafts- und Literaturhistoriker mit den Kunsthistorikern ins Gespräch kommen, die die Nationalkomitees des Internationalen Netzwerks für Kunstgeschichte auswählen werden.

In dieser Ausschreibung werden noch keine Vorschläge für thematische Sektionen unterbreitet. Die besonders interessanten, aufschlussreichen oder originellen Vorschläge werden uns leiten, wenn es darum geht, die Veranstaltung sinnvoll zu strukturieren. Leitend ist dabei das Kernanliegen, die Untersuchung des Sehen als Aktivität, betrachtet im Rahmen der historischen Praxen, denen es eingeschrieben war und ist.

Die kleine Barockstadt Eichstätt, wo die einwöchige Begegnung ausgerichtet wird, liegt im Herzen Bayerns zwischen München und Nürnberg, Augsburg und Regensburg. Der Campus der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt versammelt um einen Garten aus dem 18. Jahrhundert Bauten hervorragender Qualität – vom Rokoko zur Postmoderne und zum Dekonstruktivismus.  An der Sprecheruniversität des Studiengangs Aisthesis. Historische Kunst- und Literaturdiskurse werden auch Masterstudierende von den verschiedenen Partneruniversitäten, die an dem Curriculum teilnehmen, in die Debatten einbezogen. Der barock-moderne Campus um seinen blühenden Garten gibt den Rahmen für intensives, dialogisches Nachdenken ab, in einer von Internationalität und Interdisziplinarität geprägten Atmosphäre.
Im Namen der Präsidenten und des Komitees des Internationalen Netzwerks für Kunstgeschichte (www.proartibus.net)
Michael F. Zimmermann
Lehrstuhl für Kunstgeschichte, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

 

 

Nähere Angaben und Erläuterungen
Ziel und Charakter der Internationalen Frühjahrsakademie
Die internationale Frühjahrsakademie richtet sich an fortgeschrittene Magistranden, Promovierende und Post-Docs mit unterschiedlichen Perspektiven und Spezialisierungen. Gemeinsam mit weiter fortgeschrittenen Wissenschaftlern ermöglicht sie einen Austausch der Forschungen, der methodischen Ansätze und der Erfahrungen. Themen und Veranstaltungsprogramme früherer Frühjahrsakademien finden Sie auf der Seite www.proartibus.net. Die Teilnahme an einer Frühjahrsakademie stellt eine nützliche Ergänzung im Rahmen eines international ausgerichteten Kunstgeschichtsstudiums dar. Die Teilnahme an Frühjahresakademien stellt eine nützliche Ergänzung im Rahmen eines international ausgerichteten Kunstgeschichtestudiums dar. Fortgeschrittene Magistranden, Promovierende und Habilitanden werden ermutigt, Themenvorschläge einzureichen, die mit ihrem Forschungsthema, ihrer historische Epoche, ihrem Forschungsfeld und ihrer gewünschte Präsentationsform in engem Bezug stehen.
Bewerbung und Auswahlverfahren
Die Ausschreibung wird online auf der Website des Internationalen Netzwerkwerks für Kunstgeschichte (www.proartibus.net), dem INHA (www.inha.fr) sowie anderer Institutionen des Netzwerks erscheinen. Magistranden, Promovierende und Habilitanden, die an der Frühjahrsakademie teilnehmen möchten, werden gebeten, einen Vorschlag für einen Vortrag von maximal 20 Minuten Länge einzureichen. Der Bewerbung ist bitte ein kurzer Lebenslauf beizufügen, der auch Informationen über ihre Fremdsprachenkenntnisse enthält. Die Beiträge sollten nicht mehr als 1800 Zeichen bzw. 300 Wörter umfassen. Sie können in Englisch, Französisch, Deutsch oder Italienisch verfasst sein. Sie sollten in einem Worddokument eingereicht werden, und sollten sowohl den Namen des Bewerbers, die Adresse (elektronisch und postalisch), die Institution und das Herkunftsland des Bewerbers beinhalten.
Der Vorschlag und der Lebenslauf müssen als ein einziges Dokument als Anhang einer Email beigefügt werden. In der Betreffzeile der Email sollten sowohl der Name der Bewerberin / des Bewerbers als auch das Herkunftsland genannt werden. Senden Sie Ihre Bewerbung bis einschließlich Montag, den 02. Februar 2015 an folgende Adresse: edp2015@ku.de.
Die Vorschläge werden von den einzelnen Ländern des Netzwerks begutachtet und ausgewählt. Die nationalen Ansprechpartner werden die Liste der ausgewählten Beiträge spätestens zum 28. Februar 2015 via Email zum Organisationskomitee schicken. Das Organisationskomitee wird, nach Rücksprache mit dem wissenschaftlichen Komitee des Netzwerks, das Programm der Frühjahresakademie erstellen. Die Bekanntgabe der Auswahl der Bewerber für die Frühjahrsakademie wird Mitte März auf den Seiten des Netzwerks, www.proartibus.net, des INHA, und der anderen Seiten der Institutionen des Netzwerks erfolgen.
Erfolgreiche Bewerber werden gebeten, ein Abstract von maximal 300 Wörtern sowie eine Übersetzung dieses Abstracts in eine der offiziellen Sprachen des Netzwerks bereitzustellen. Das Abstract und die Übersetzung müssen als ein Word-Dokument gemeinsam mit einer Powerpoint-Präsentation bis zum 23. März 2015 an folgende Adresse geschickt werden: edp2015@ku.de.
Die Kenntnis zweier Sprachen ist im Netzwerk unerlässlich. Teilnehmer aus den romanischen Sprachgebieten sollten Englisch oder Deutsch beherrschen, englische und deutsche Teilnehmer entweder Französisch oder Italienisch.

Bewerbungen als Diskutanten
Studierende, die bereits an zwei oder mehr früheren Frühjahrsakademien teilgenommen haben und erneut teilnehmen möchten, können sich lediglich als Diskutanten bewerben. Außerdem können junge Wissenschaftler, Doktoranden und Postdoktoranden, deren Forschungen bereits weit fortgeschritten sind, sich ebenfalls an der Frühjahrsakademie als Diskutanten beteiligen. Aufgabe der Diskutanten ist es, am Ende der Sektionen die Diskussionen zu beleben, durch alternative Erklärungen zu bereichern und vor dem Hintergrund ihrer eigenen Forschungen neue Perspektiven aufzuzeigen. Interessierte, die an der Frühjahrsakademie als Diskutanten teilnehmen möchten, werden gebeten, sich bis zum 02. Februar 2015 bei ihrem nationalen Ansprechpartner entsprechend der oben genannten formalen Hinweise zu bewerben. Gewünscht wird ein kurzer Lebenslauf und an Stelle des Vorschlags für einen Vortrag soll ein kurzes Motivationsschreiben eingereicht werden, das ihre Kompetenzen in Bezug auf die Fragestellung der Frühjahrsakademie herausstellt .

Vortragsvorschläge von Professoren
Die Professoren des Netzwerkes können, wie jedes Jahr, einen eigenen Vortrag vorschlagen oder eine Sektion leiten. Diejenigen, die sich aktiv an dem Programm beteiligen möchten, werden gebeten, dies dem Organisationskomitee bis zum 02. Februar 2015 durch eine E-mail an folgende Adresse mitzuteilen: michael.zimmermann@ku.de

Nationale Ansprechpartner
Für Kanada: Johanne Lamoureux (Paris, Institut national d'histoire de l'art) und Todd Porterfield (Université de Montréal); für Frankreich: Frédérique Desbuissons (Paris, Institut national d'histoire de l'art), Béatrice Joyeux-Prunel (École normale supérieure de Paris), Christian Joschke und Ségolène Le Men (Université Paris Ouest Nanterre La Défense); für Deutschland: Thomas Kirchner (Paris, Deutsches Forum für Kunstgeschichte) und Michael F. Zimmermann (Katholische Universität  Eichstätt-Ingolstadt); für Großbritannien: David Peters-Corbett und Bronwen Wilson (Norwich, University of East Anglia) ; für Italien: Marco Collareta (Università di Pisa) und Maria Grazia Messina (Università degli studi di Firenze); für die Schweiz: Jan Blanc (Université de Genève); für die USA: Henri Zerner (Harvard University ; für Japan, Atsushi Miura (Université de Tokyo).

Organisation

Réseau International de la Formation à la Recherche en Histoire de l'Art / The International Consortium of Art History / Internationales Netzwerk für Kunstgeschichte (www.proartibus.net